Einführungsrede zur Ausstellung Land Scape | Scope 

in der Galerie M Beck, Homburg/Saar

 

 

Land Scape, englisch für Landschaft. Scope, engl für Spielraum, Gestaltungsraum, Betätigungsfeld, Entfaltungsmöglichkeiten.

 

Wir haben Sie also in eine Ausstellung gelockt, die erweist, dass Künstlerinnen und Künstler in der Lage sind, sich zu einem Thema zu stellen, einen Gestaltungsraum auszufüllen, ihren Spielraum auszunutzen. Das wäre aber tatsächlich eine Banalität. Das kann jeder – jeder Künstler. Die machen ja nichts anderes!

 

Tatsächlich aber gingen wir bei der Aufstellung zu dieser Ausstellung von einem ganz anderen Standpunkt aus.

 

Wir sind als Menschen durch und durch Natur, stellten wir fest. Aber der ganze überwältigende Rest der Natur war seit Menschengedenken nicht der Freund des Menschen, sondern indifferent, eine Entität. Dadurch aber ist Natur nie nur Habitat, also Lebensraum, sondern immer zugleich auch Todraum, Bedrohung. Nachdem aus dem Homo Sapiens (der wir nun einmal als wissender, weiser Mensch aus der Ordnung der Primaten sind) mit der Renaissance eine Zuentwicklung zum Homo Ludens (der spielende Mensch) beigefügt wurde, veränderte sich auch unser Blick auf die Natur.

 

Wir erfanden ein Gegenstück zur Natur, etwas, das wir tatsächlich beherrschen konnten, und das nicht mehr uns beherrschte. Wir erfanden - die Landschaft. Landschaft ist eigentlich eine künstlich künstlerische Auffassung des Environments. Künstlich deshalb, weil der von uns gemachte Begriff nur dazu dient, Natur in eine Beziehung mit uns zu bringen, wenn wir uns ihr zuwenden. Aus der Entität machten wir Wille und Vorstellung. Künstlerisch deshalb, weil nur durch den Homo ludens (der den Künstler hervorbringt) eine Idee möglich ist. Alles ohne diese spielerisch intellektuelle Zutat sind Hirngespinste, Glaube und Aberglaube. Landschaft ist also eine Idee, und zwar vor allem eine des Schauens. In eine Landschaft zu Schauen ist das Gegenteil davon, in die Natur zu schauen. Von der Landschaft nehmen wir im Schauen Besitz........

 

 

Angela Fusenig reduziert in ihren durchaus vom Gegenstand ausgehenden Bildern alles auf das Einfachste. Nach dem philosophischen Grundsatz, dass Abstrahieren das sich nach und nach vollziehende Weglassen des Unwesentlichen hin zum Wesen einer Sache ist, ergibt sich in der In Bezug Setzung auf die Landschaft, dass Ihre Malerei also fast eher dem Ingenius, dem Ingenieurwesen, dem Erfindungsreichtum entspricht. Damit wird bei ihr Landschaft zur Erfindung des Menschen, zu einer „Maschine“. Eine Fabrik wäre demnach auch nichts anderes als eine etwas andere Landschaft. 

 

Dr. Christopher Naumann

Kunsthistoriker

 

 

 

 

 

 

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Angela Fusenig